Wenn wir Menschen ohne Münder wären, dann wären wir keine Menschen sondern Dinge mit Gesichtern.
Die Augen mögen Fenster sein, so sagt man.
Mit den Händen begreifen wir vielleicht die Welt, oder versuchen es zumindest.
Unsere Haut begrenzt uns und verbindet uns manchmal miteinander zu etwas, das sich anfühlt als hätte es keine Grenzen.
Aber der Mund. Selbst wenn er schweigt, spricht er, sei es mit einem Lächeln oder mit Trotz, der sich fest über weiche Lippen spannt.
Und wenn er mit Worten spricht, so sind es nicht nur Worte, sondern sie fliegen auf einer Stimme, die mit ihrem Klang noch tausend Nuancen mehr trägt, als jede Sprache es je vermöchte.
Lachen kommt aus dem Mund, wie ein ungestimmtes Glockenspiel der Freude. Weinen kommt heraus, der erste Ton, der aus uns kommt, sobald wir diese Welt betreten.
Und wenn wir gehen, war es ein gutes Leben, wenn wir mit einem Lächeln gehen können.
Aus unserem Mund kommen Höflichkeiten und Flüche, Lieder und Geschrei. Wir erklären unsere Liebe und beantworten die Fragen unserer Kinder, wir seufzen, wenn wir keine Worte haben, und wenn wir alleine sind, sehnen wir uns nach Mündern, die uns küssen.
Ein Kuss, das ist das schönste aller Worte.
Das zweitschönste ist Kleinod. Finde ich.
Mein eigener Mund ist problematisch. Er ist viel zu dicht an meinem Herzen, und ständig wollen Worte hinaus, die nicht in eine Welt gehören, in der man Konversation nach Regeln macht.
Deswegen halte ich ihn meist verschlossen, und all die ungesprochnen Worte suchen sich dann einen Weg über meine Finger aufs Papier.
Welches ist das Wort, das am liebsten über deine Lippen springt?

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