Arrogant und überheblich, sagt er zu mir, das bist du. Wir trinken zusammen den ersten Kaffee eines neuen Tages, und ich habe unbedarft die Gedanken aus meinem Mund gelassen, die gerade hinaus wollten.
Der Schlaf sitzt noch in meinem Kopf und hindert mich daran, schlagfertig zu reagieren.
Was? frage ich also irgendwie dümmlich und komme mir alles andere als auch nur eine Spur überheblich vor, eher das Gegenteil. Nackt und nutzlos wie ein blindes Küken in einem Nest, in dem es auf einmal gar nicht mehr gemütlich ist.
Ja, erwidert er, so richtig unsympathisch arrogant.
Mein Kaffee schmeckt plötzlich bitter und die Luft wird kalt. Ich versuche mich zu verteidigen, aber ich habe keine Waffen und auch keinen Schild. Den habe ich vor langer Zeit schon vertrauensvoll an die Liebe abgegeben.
Meine Worte sind leer und leise, und dann fliehe ich dahin, wohin ich immer fliehe, wenn die Menschenwelt unerträglich wird.
Ich sitze zwischen meinen Bildern im Nirgendwo, dort, wo ich nutzlose Dinge tue, wie zeichnen oder dichten oder singen, und weiß, dass seine Worte wahr sind. Ich bin schön und klug und versuche niemandem zu gefallen, und alleine das schon gefällt wirklich keinem, auf keinen Fall jemandem, der ein Mann ist und mit mir zusammen leben muss.
Also verstecke ich mich meistens hinter einem Lächeln und selbst gebackenem Kuchen und hübschen Kleidern und heute, da bin ich einfach mein hartes Ich zwischen kahlen Wänden und alten Bildern, die ich von einer Welt gezeichnet habe, die ich nicht verstehe, und ich weiß, dass es Zeit wird, wenigstens meine Flügel nicht länger zu verstecken. Auch wenn sie inzwischen staubig sind. Vielleicht werde ich wieder netter, wenn ich wieder fliegen kann.
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