Niemand sitzt mehr nachts an meinem Bett und erzählt mir Märchen, die zu spannend sind um dabei einzuschlafen.
Wenn ich Angst vor unbestimmten Monstern spüre, die im Dunkeln lauern könnten, gibt es keine große Hand mehr, die das Licht anmacht.
Ich habe immer noch ständig Fragen, die mit dem Wort warum beginnen, nur warte ich vergeblich auf die Stimme, die mich jedes Mal mit einem weil beruhigt.
Ganz sanft hat sich die Türe zu dem Zimmer hinter mir geschlossen, in dem ich zwischen Plüschbären und dem Warten aufs Erwachsen werden geborgen war.
Vielleicht habe ich sie auch energisch zugeschlagen, wie man es so macht, wenn man sich sicher ist, ab jetzt jedes Monster mit bloßen Händen und ganz alleine zu besiegen.
Nur lauern die Monster inzwischen hinter Masken, die menschlich sind und manchmal in mir selber, und es gibt keinen glorreichen Sieg, nur Diskussionen und Kompromisse. Wie soll man da zur Heldin werden?
Und auf die Fragen, die mich nun bedrängen, hat mitunter nicht einmal die Wissenschaft eine Antwort, und Gott hätte vielleicht eine, aber er hat dafür keine Zeit.
Ich merke langsam, dass es nicht unendlich viele Zimmer gibt, in die ich stürmen kann, sondern dass jede Entscheidung für etwas auch eine gegen etwas anderes ist.
Dafür erzähle ich jetzt selber Märchen, die hoffentlich so spannend sind, dass keiner dabei einschläft. Und niemand sitzt mehr nachts an meinem Bett und wartet, bis ich schlafe, aber es liegt jetzt dafür jemand anderes darin.
Und wenn ich seinem Atem lausche, dann ist das wie ein Schlaflied und ich vergesse für eine Weile alle Fragen und bin wieder dort, wo Plüschbären und harmlose Monster und Antworten und das Vertrauen in Morgen sind.
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