Dort drüben, wo der Schlaf anfängt, da wartet jemand schon auf mich. Sie ist kaum zu sehen in der Dunkelheit, doch ich spüre ihren Blick, als wäre er aus reinem licht.
Schon lange blickt sie so zu mir, und ich, ich blicke nicht zurück. Ich schaue lieber auf bunte Bildschirme, die meinen Kopf wachhalten, ich schaue auf verschwimmende Buchstaben, die sich weigern, mir Geschichten zu erzählen, ich schaue an die Decke. Irgendwann gebe ich auf und falle aus der Tageswelt, in der es bereits längst Nacht ist. Ich hoffe, dieses Mal auch an ihr vorbeizufallen, direkt in wilde Träume und noch mehr bunte Bilder. Meistens kann ich das.
Heute nicht. Sie hat bereits zu lange schon gewartet, und im Fallen greift sie meine Hand und zieht mich dorthin, wo der Schlaf anfängt und sie gefangen ist.
Ihr Gesicht ist klein und ernst, ihre Augen sind groß und grau und um ihre Pupille tanzt ein gelber Ring, der heller wird, wenn sie glücklich ist. Ich sehe diese Augen jeden Morgen, wenn ich in den Spiegel sehe, auch wenn sie inzwischen kleiner geworden sind von all dem, was an ihnen vorübergezogen ist.
Der gelbe Ring ist bei ihr beinahe vollständig erloschen, und ich finde, sie ist viel zu jung zum traurig sein, aber sie ist es. Vielleicht ist sie fünf Jahre alt, ich erinnere mich, auch wenn ich mich nicht erinnern will, und noch viel weniger will ich ihre Hand halten, die so winzig und zerbrechlich ist.
Ich reiße mich los und verschwinde in meine bunten Träume und versuche zu vergessen, dass da jemand auf mich wartet, doch es gelingt mir nicht.

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