Zuerst dachte ich, wenn ich ihn einfach ignoriere, verschwindet er wieder. Aber das war so vergebens, wie alle anderen Versuche, ihn loszuwerden.
Mir ist ein Ninja Krieger zugelaufen. Anders kann man es nicht nennen.
Als ich eines Morgens die Vorhänge aufzog, saß er auf der Gartenmauer, schwarz wie ein zu großer Rabe. Ich spürte, und das war das Seltsamste daran, keine Überraschung, obwohl ich nichts von ihm sah außer seinen Augen, in denen Mordlust wohnte. Der Rest war eingewickelt in das, was Ninjas eben so tagtäglich tragen.
Ich ging einen Kaffee trinken und danach in die Stadt. Er folgte mir als stummer Schatten, wie ein scheuer, aber fest entschlossener Hund.
Von da an saß er jeden Morgen still dort draußen. Zuerst gab ich vor, ihn nicht zu sehen. Als der Sommer kam gab ich das auf.
Manchmal winkte ich ihm zu, manchmal versuchte ich ihm Worte zu entlocken, manchmal schwiegen wir zusammen. Ich gewöhnte mich an seine grimmige Erscheinung und hätte ihn bald unter tausenden von Ninja Kriegern blind erkannt.
Dann kam ich irgendwann mit einem Mann nach Hause, wir lachten und bevor ich meinen Schlüssel fand, zerschnitten Klingen das Gespräch und seine Kehle. Blut regnete auf meine neuen Schuhe. Vor mir stand mein Ninja Krieger und erstmals sah ich seine Waffen in seinen Händen.
Wir begruben in der gleichen Nacht den Mann hinter dem Holunder, wonach ich keinen Schlaf fand aber einen fiebrigen Entschluss.
Seitdem versuche ich den schwarzen Schemen loszuwerden.
Ich warf bereits mit bösen Worten nach ihm und mit scharfen Steinen, ich versuchte es in allen Sprachen mit Bitten und mit Flehen, zuletzt zog ich nur mit einem Koffer heimlich in ein anderes Haus. Vergeblich.
Seit kurzem habe ich nun ebenfalls eine messerscharf geschliffne Klinge. Ich trage sie umher wie eine totgeborene Schlange und warte darauf, dass der Tag kommt, an dem ich an der Reihe bin, Blut regnen zu lassen.
Aber er kommt nicht. Stattdessen, und mein zugelaufener Ninja Krieger weiß es schon seit dem ersten Morgen, werden wir irgendwann zusammen beide dahin gehen, woher er kam.
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